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Calfeisental

Zeitreise im Calfeisental

2008 wurde das 100-jährige Jubiläum des Calfeisental-Strassenunternehmens gefeiert. Zu diesem Anlass ist ein kleines Buch mit einer Beschreibung der Geschichte und Ausschnitten aus alten Dokumenten und vielen Fotos herausgegeben worden.bike_calfeisen
1346 Erstmals wird die Walsersiedlung im Calfeisental in einem Lehenbrief des Klosters Pfäfers erwähnt.
1652 Die letzten Walser verlassen das Calfeisental.
1745 Erster richterlicher Entscheid, wie die Unterhaltskosten des Fussweges von Vättis bis St. Martin aufgeteilt werden zwischen den Gemeinden Zizers, Vilters, Malans und Ragaz (den Alpbesitzern).
1852 Erste Interessenten-Versammlung der Alpbesitzer. Wahl des ersten Wegmachers, Anian Jäger. Er erhält pauschal CHF 53 pro Jahr (dazumal noch in Gulden).
1898 Die Ortsgemeinde Vättis lädt zu einer Versammlung ein für ein Strassenprojekt Vättis - Calfeisental.
1904 Mit 8 gegen 4 Stimmen und einer Enthaltung wurde beschlossen, die Strasse durch den Bannwald - Luternzug - Höhi - Judenhüttli nach St. Martin zu bauen.
1905 Nach langer Diskussion über die Linienführung wurde entschieden, die Strasse über den Gigerwald zu bauen. Entscheidend waren wahrscheinlich die Staatsbeiträge, da der Gstüd-Wald Staatswald war.
1906 Beginn des Strassenbaues und Fertigstellung bis Gigerwald. Für die Bauzeit wird in Vättis ein Polizist eingesetzt, der für Recht und Ordnung während des Strassenbaus sorgen muss.
1908 Einweihung der Strasse, Kostenvoranschlag CHF 200'000 effektive Kosten CHF 300'000. Malans, Zizers, Ragaz, Pfäfers und Vättis wählen den ersten Wegmacher Josef Flavian Kohler. Taglohn CHF 3.50, Arbeitszeit morgens 6 Uhr bis abends 7 Uhr abzüglich 2 Std. Pausen.
1910 Bereits die ersten grossen Unwetterschäden. Die Brücken Judahüttli, Brennboden und Ammannstobel werden stark beschädigt.
1917 9 Jahre nach Bauabschluss treffen die letzten Schlusszahlungen des Kantons ein. Die Nachsubventionierung wurde falsch eingereicht und vor allem wegen des Krieges ist wenig Geld in den Staatskassen. Sehr grosse Lawinenschäden, vor und hinter dem Gigerwald. Die Fluhlawine (geht jetzt in den Stausee) kommt von der Panära in die Tamina und staut sich mehr als 30 Meter über die Strasse hinauf gegen den Gigerwaldspitz. Die Strasse kann während des ganzen Sommers nur über die Lawine und bis im Spätherbst durch ein Schneetunnel befahren werden. Ebenfalls gab es grosse Lawinen in den Chirchlizüg, Tellerbach, Blaue Rüfe und im vorderen Plattenbach.
1925 Im August rutscht die Strasse bei der Blauen Rüfe erstmals auf einer Länge von ca. 100 m vollständig weg. Erst drei Jahre später, 1928, kann die Strasse wieder befahren werden.
1928 Erste Diskussionen, ob man die Strasse ab Vättis für den Motorverkehr zulassen soll. Nur die Ortsgemeinde Vilters plädiert für ein Ja, allerdings mit einer Fahrpauschale von CHF 15.00 pro Fahrt, damaliges Taggeld des Wegmachers CHF 6.50.
1932 Vor dem Gigerwaldtunnel stürzt eine grosse Stützmauer ein.
1936 Nur 11 Jahre nach der Reparatur rutscht die Blaue Rüfe bereits zum zweiten Mal auf ca. 100 m vollständig weg. Es wird kurzerhand die obere Böschung abgegraben und somit die Strasse einfach etwas höher erstellt. Die SAC Sektionen Pizsol und St. Gallen und vor allem die Jagdgesellschaft Sardona wünschen, die Strasse mindestens bis St. Martin befahren zu können. Die Jagdgesellschaft offeriert jährlich CHF 70.00 bis St. Martin oder CHF 300.00 bis Sardona zu bezahlen.
1944 Sehr grosse Lawinenniedergänge, insbesondere die Tellerbachlawine.
1952 Nach jahrelangen Diskussionen werden am 6. April die ersten Statuten des Calfeisental-Strassenunternehmens vorgelegt und genehmigt. Für den Unterhalt wird ein Kostenverteiler aufgestellt.
1953 Nach grossen Niederschlägen begibt sich der Wegmacher mit einer Gruppe von Arbeitern auf den Weg, um wenigstens die Strasse bis St. Martin wieder begehbar zu machen. Beim Räumen vor der Eisernen Brücke bei der heutigen Galerie wird der 21- jährige Vättner, Sebastian Jäger durch erneuten Steinschlag getötet. Einem weiteren Arbeiter, Eduard Kohler, wird ein Bein abgetrennt.
1959 Erstmals wird in der Interessentenversammlung über den Kraftwerkbau diskutiert.
1961 Grosse Lawinenschäden, vor allem auch an Alpgebäuden. Das Obersäss in der Malanseralp wird bis auf die Grundmauern mitgerissen.
1968 Wiederum grosse Lawinenschäden. Vom Seezberg löst sich eine Lawine von 1100m Breite, teilt sich in vier Arme, Schwamm - Malanserbach - Hochegg - Ammansbach. Ca. 4'000 fm Holz werden mitgerissen wie auch die Wegmacherhütte und die Hocheggsäge. In der Malanseralp wird unter anderem das neue Alpgebäude bereits wieder beschädigt.
1969 Definitiver Entscheid über die Strassenwahl ab der geplanten Staumauer nach St. Martin.
1971 Erste Bemühungen, das Calfeisental ab St. Martin unter Naturschutz zu stellen.
1978 Fertigstellung des Staudammes.
1979 Die heutige Einbahnregelung entlang dem Stausee tritt in Kraft.
1999 Sehr grosse Lawinenschäden und im Frühjahr auch noch Wasserschäden von Vättis bis zum Gamserälpli. Meterhoch waren die Lawinen bei der Eisernen Brücke, Tellerbach, Blaue Rüfe und beim hinteren Plattenbach, welche auch den neuen Schermen zum zweiten Mal beschädigt.
2008 Kleine Feier auf dem Brennboden, 100-jähriges Bestehen der Calfeisentalstrasse. Aktuelle Mitglieder des Strassenunternehmens: Gemeinde Malans, Gemeinde Zizers, Ortsgemeinde Pfäfers, Ortsgemeinde Vilters, Ortsgemeinde Vättis, Ortsgemeinde Bad Ragaz, Alpkorporation Egg, Klinik St. Pirminsberg, SAC Sektion Zindelspitz, Anian Kohler Vättis, Gaudenz F. Bon, Aarau, Finanzdepartement des Kantons St. Gallen.